by Hagelin

Autor · Pseudonym · Hintergründe

Über Klamor Browning

Unter dem literarischen Pseudonym Klamor Browning schreibt der Schweizer Autor Kristian Widmer (»Schmelzpunkt: Berlin«) über Figuren am Limit – von Entscheidungen ohne Ausweg und schleichendem Kontrollverlust bis hin zu jenen Momenten, in denen jede Gewissheit zerbricht.

Brownings Schreiben ist geprägt von einem Berufsleben zwischen Film, Kommunikation und Unternehmertum und von der Erfahrung, dass das Schicksal die Karten mischt, der Mensch aber sie spielt.

01 · Identität

Klamor Browning und Kristian Widmer

Hinter Klamor Browning steht Kristian Widmer, promovierter Jurist und Ökonom mit MBA der Universität St. Gallen. Er war viele Jahre in der Medienbranche tätig, leitete als langjähriger Geschäftsführer eine Oscar-prämierte Filmproduktion, wo er ein buntes Portfolio von Film- und Fernsehprojekten verantwortete, und wechselte später in eine Führungsposition bei einem global tätigen US-Unternehmen für Public Relations.

Geschichten begleiteten ihn bereits während des Studiums, als er als Autor, Regisseur und Editor arbeitete. Die Filmproduktion wurde zum Beruf, die Liebe zum Geschichtenerzählen zum Motor dahinter, angetrieben von der Faszination für den schmalen Grat, an dem Fiktion und Wahrheit verschwimmen.

Warum also Klamor Browning?

Warum ich unter dem Pseudonym Klamor Browning schreibe? Ich habe festgestellt, dass ich so leichter und weiter über meinen eigenen Schatten springen kann. Nicht mehr. Nicht weniger.

Das Pseudonym steht damit weder für eine erfundene Biografie noch für eine Kunstfigur, die falschverstandenes Interesse schaffen soll. Das Alias schafft Abstand, und damit Freiheit beim Schreiben.

02 · Handwerk

Vom Film zum Schreiben

Wer beim Film arbeitet, weiß: Filme entstehen immer als Gemeinschaftswerk. Zwischen einer ersten Idee und dem fertigen Werk liegen Drehbuch, Finanzierung, Regie, Kamera, Schauspiel, Schnitt, Vertonung und unendlich viele weitere Entscheidungen.

Beim Schreiben ist der Weg unmittelbarer. Perspektive, Rhythmus und Sprache liegen ganz in den Händen des Autors. Alles, was er an Instrumenten für sein Manuskript braucht, ist ein Laptop. Die feine Ironie der Verhältnisse aber ist bei Klamor Browning: Der erfahrene Filmproduzent wird nun plötzlich in Personalunion zum Drehbuchautor, Regisseur, Kameramann und Cutter, während der Verlag die Rolle des Produzenten übernimmt.

Die Erfahrung aus dem Storytelling bleibt dennoch sichtbar: Browning denkt in Szenen, Bewegungen und Konflikten. Figuren handeln, statt erklärt zu werden. Situationen müssen aus sich heraus Spannung entwickeln.

Filmisches Denken ist Form und Handwerk zugleich: Beide Elemente bedingen einander, analog zur Frage, ob der Fluss sein Bett formt oder das Bett den Fluss leitet.

Wie »Schmelzpunkt: Berlin« entstand

Der Ausgangspunkt war nicht der Plan, einen Roman zu veröffentlichen. Sondern, um auf Heidegger anzuspielen, dass das Sein des Daseins das Nichten des Nichts darstellt.

Was war die Initialzündung für den Roman?

Der Chirurg, der mir ein Ersatzteil verpasst hat, meinte, ich solle drei Monate lang nichts tun. Das „Nichts“ erscheint nun im deutschsprachigen Buchhandel. Eine liebe Freundin meinte: „wohl das weltweit erste Buch, welches aus dem Nichts entstanden ist.“

Aus einer verordneten Pause wurde Zeit zum Sein, aus dem Dasein: Denken. Und daraus ein Thriller, der dort beginnt, wo die Abendnachrichten aufhören. Dass dieser auf Anhieb einen Verlag gefunden hat, gehört zu den kleinen Wundern in der Kreativwirtschaft – die möglich sind, aber einen Autoren am Ende des Tages nur eines lehren: Demut.

Dabei entwickelte die Schreibarbeit ein Eigenleben. Der Plan war, reale politische Ereignisse im Zeitraum von März bis April 2024 fiktiv bis an ihren Schmelzpunkt und darüber hinaus zu treiben. Petter Ilies, der Protagonist des Romans, wurde damit im Verlauf des Schreibens weit komplexer und widersprüchlicher, als zunächst gedacht.

Doch genau an dieser Bruchstelle wird ein Charakter für Klamor Browning erst richtig interessant: wenn er nicht mehr nur seine ureigene Funktion in der Spannungsliteratur erfüllt, sondern mit den inneren und äußeren Konsequenzen seines Handelns konfrontiert wird.

03 · Geschichten

Über Figuren und Geschichten

Klamor Browning mag keine Helden. Spannender sind für ihn Menschen, in denen mehrere Wahrheiten gleichzeitig existieren, die Farbe bekennen müssen, während eine Flut von Grautönen sie zu erschlagen droht.

Was etwa geschieht, wenn persönliche Loyalität und Verantwortung kollidieren? Wie verändern Angst, Macht oder Abhängigkeit das eigene Weltbild? Was bleibt von moralischer Gewissheit, wenn jede mögliche Handlung einen Preis hat, den jemand anders zu zahlen bereit ist?

Solche Situationen bilden den Kern seines Schreibens.

Was macht eine gute Geschichte aus?

Schreiben ist so banal wie gefährlich: Man verpflanzt das Herz ins Gehirn und hofft, dass es dort weiterschlägt.

Lebenserfahrung liefert lediglich den Rohstoff, keine fertigen Geschichten. Ob Filmsets, andere Länder, ungewöhnliche Bekanntschaften, berufliche Höhenflüge oder private Krisen – sie inspirieren, bleiben aber bloße Kulisse. Zum Leben erwacht ein Buch erst dort, wenn das Ganze mehr wird als die Summe seiner Teile.

Vielleicht bezeichnet sich Klamor Browning deshalb als einen Banditen, der an der Straße der Vernunft auf große Gefühle lauert.

Schreiben als Freiheit und Disziplin

Das eigene Glück ist ein Maßanzug, der selten eine andere Person gut aussehen lässt. Nicht anders verhält es sich mit der Schreibarbeit. Ob am liebsten ohne Socken, nur am Vormittag oder am kreativsten bei Regenwetter: Wörter aneinanderzureihen ist spätestens ab Seite 3 eine hochpersönliche, sehr individuelle und intime Arbeit.

Doch wenn eins alle Autoren verbindet, ungeachtet des Genres, so ist es wohl das Erfordernis, im selben Atemzug maximale Distanz und unbedingte Nähe zu den eigenen Figuren, zur Geschichte und zur eigenen Person zu wahren.

Vor den Folgen schützt – wie Klamor Browning sagt – vor allem: den Seifenblasenzauber in guten Zeiten zu genießen und in schlechten Stunden nicht allzu ernst zu nehmen.


| Text: Carlo Olsson; © Zitate: Klamor Browning

04 · Veröffentlichung

Aktuelles Werk

Thriller · zeitkind Verlag

Schmelzpunkt: Berlin

Mit »Schmelzpunkt: Berlin« veröffentlicht Klamor Browning seinen aktuellen Thriller.

Der Roman verbindet reale politische Ausgangspunkte mit einer fiktionalen Zuspitzung und stellt seine Figuren vor Entscheidungen, bei denen persönliche Loyalität, staatliche Verantwortung und moralische Gewissheiten gegeneinander geraten.

»Schmelzpunkt: Berlin« erscheint am 22. September 2026 im zeitkind Verlag.

384 Seiten · Hardcover · ISBN 978-3-907724-12-5

Mehr über den Thriller »Schmelzpunkt: Berlin«